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Stile und Jahrhunderte gleiten schwerelos ineinander |
...Die Besucher tasten sich auf einem schmalen, mit Teelichtern gesäumten Trampelpfad durch die nächtliche Aue. Ein Gitter aus Lichtbalken liegt hinauf bis in die Baumwipfel, links gluckert der Trombach, ein Pendel stößt wie zufällig an Röhrenglocken, von rechts ruft eine einsame Flöte Mit diesen unheimlich-heimeligen Eindrücken schickt Sigune von Osten ihre Fangemeinde auf den Nachhauseweg.
Schon seit zehn Jahren pilgern die Anhänger der Avantgarde- und Weltmusik aus Berlin und Straßburg, ja sogar aus Italien zu ihrem zweitägigen Festival PARKMUSIK-Neue Ho(e)rizonte nach bad Münster am Stein. Besonders Großstädter genießen die Abgeschiedenheit der ehemaligen frühchristlichen Einsiedelei denn, so meint ein Stammgast, an keinem anderen Ort könne man die "innere Batterie" so schnell und intensiv aufladen wie hier. Nicht nur aus der Aue, vor allem auch aus der ehemaligen Kapelle neben dem Gutshaus hat Sigune von Osten in der Tat eine Art Tankstelle für die Sinne gemacht: Im schummrigen Kerzenlicht, den Geruch von feuchtem Lehm und Gebälk in der Nase, wird hier auf allerhöchstem Niveau musiziert. In diesem Jahr etwas etwa vom Blockflöten-Ensemble Flautando Köln im reizvollen Wechselspiel mit dem Schweizer Alphornduo Echo vom Zürihorn: Die weichen Renaissance-Klange alter Tanzweisen und Ricercari wehen wie ferne Jugenderinnerungen um die Mauern der 1399 erbauten Kapelle.
Allgemeine Zeitung Mainz / Feuilleton 28. August 2006 Trommeln in der Trombach (Aue) Licht- und Klanginstallationen (Hof und Aue)) |