ART POINT   Sigune von Osten  


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PARKMUSIK Neue Ho(e)rizonte '12
Sa 25. August / So 26. August

Foto: Claudio Casanova

Das Festival PARKMUSIK Neue Ho(e)rizonte begann dieses Mal bereits auf dem 1,5 km langen Weg vom Parkplatz zum Trombacher Hof. Vier junge Musiker des Ensemble Atonor begleiteten die KlangWanderer mit außergewöhnlichen Klangobjekten des Erfinders, Konstrukteurs und Komponisten Erwin Stache.
Seltsame Rucksäcke, präparierte Plastikflaschen, Meßräder, Kuckucksuhren, Abflusssauger, Tischtennisbälle, alte Telefone wurden zu Instrumenten und erzeugten erstaunliche, auch heitere Klänge. Dazwischen gab es als Kontrapunkte und als Einleitung zur abendlichen Hommage à Marek Kopelent anlässlich des achtzigsten Geburtstages des tschechischen Komponisten Werke für Oboe und Violoncello von Marek Kopelent, seinem Schüler Martin Marek und Isang Yun.

Von Station zu Station ging es vom Parkplatz durch Felder zur Philemon-und-Baucis-Wiese mit Hunsrückblick, hinunter, am Bach entlang, schließlich bis zur Wiese am historischen Klostergut Trombacher Hof.

Nach der Picknickpause auf der Trombach-Wiese begann im Gewölbestudio die abendliche
Hommage à
Marek Kopelent. Er selbst brachte mit der Lesung seiner Essays "Bin ich noch Komponist?" und "Unterschreiben oder nicht?" zwischen seiner Musik für Klavier und Violoncello seine Werke in Kontext zur gespannten politisch-historischen Entwicklung seiner Zeit. Man erfuhr und verstand, wie eng die Werke mit seiner jeweiligen Lebenssituation verbunden sind. In dieser Begegnung wurde komponierte Geschichte erlebt.

Nach dem Ortswechsel vom Gewölbestudio in die ehemalige Kapelle wurden Kopelents Solo-Kompositionen für Oboe, Klarinette, Violoncello und Stimme in Kontext gestellt mit den Gedichten von  Vladimir Holan, einem der bedeutendsten tschechischen Dichter des zwanzigsten Jahrhunderts. Und man erfuhr aus dem Briefwechsel, der in Auszügen von Marek Kopelent und Sigune von Osten gelesen wurde, wie intensiv die künstlerische Beziehung zwischen Sängerin und Komponist ist. Dann hörte man auch die Sängerin Sigune von Osten mit dem Melodram Black and white tears, das den Beginn ihrer seit 1975 währenden Künstlerfreundschaft mit Marek Kopelent bildete.

Der Rückweg vom Trombacher Hof bis zum Parkplatz durch die Stille der nächtlichen Natur war gesäumt von über vierhundert Kerzen. Und als persönliche Wegleuchte erhielt jeder Besucher einen roten Seidenlampion. Der Rezensent der Allgemeinen Zeitung beschrieb im Feuilleton in seinem Bericht mit der Überschrift Triller mit Käuzchen treffend die enge Verbindung von Musik und Natur und beendete diesen mit "So zelebriert man Musik jenseits des Alltagsgetöses".

Am Sonntag wanderte man durch die Natur vom Parkplatz zum Trombacher Hof, hörte das Summen der Insekten, den Wind in Gräsern und Bäumen, das Murmeln des Trombachs, das Plätschern der Quelle im ehemaligen Kloster-Hof. Im Zentrum der Musik - zunächst im Gewölbe-Studio, dann auf der Klangwanderung durch die Trombach-Aue - stand die junge japanische Komponistin Misato Mochizuki, im Zentrum des Sehens der chinesische Konzeptkünstler und Performer Kenbo. An Bühnen- und Rückwand in der ehemaligen Kapelle hingen viermeterfünfzig hohe, zarte Gemälde auf Reispapier. Sie waren im vergangene Jahr an den Bäumen in der Trombach-Aue als Installation entstanden, in China auf den Untergrund montiert und dann wieder auf den Trombacher Hof geschickt worden. Im Gewölbestudio hingen weitere, kleinere dieser zarten Bilder. Und in der Natur der Trombach-Aue waren mit Reispapier umwickelte Bäume zu fremdartigen Skulpturen geworden, deren Umhüllung durch ein darüber gegangenes Gewitter zu bizarren Gebilden zerstückelt und ausgefranzt war. Eine magische Welt, durch die die Besucher wandelten.

Und darin schwangen die Kompositionen von
Misato Mochizuki zwischen Ost und West: ihre eigenen, die ihrer europäischen Lehrer und ihrer japanischen Kollegen eine einmalige Symbiose aus Natur und Klängen.

Nach der Auenwanderung klang das Festival aus im MusiCircus nach der Idee von John Cage anlässlich seines 100. Geburtstages, in einer Version für den Trombacher Hof von Sigune von Osten. Hierzu stießen zu den Profimusikern der bisherigen Konzerte Ensembles von Schulen- und Musikschulen aus Bad Kreuznach, Grünstadt und Mainz sowie Mitglieder des Tanzstudios Corinna Janson hinzu. Es wurde ein klangsensibler Musicircus, der in der Allgemeinen Zeitung zu recht die Überschrift erhielt Töne fernab der lauten Welt.


Besucher-Briefe

... Wie immer bin ich reichlich angefüllt und inspiriert von den vielen Sinneseindrücken, den Klängen und Bildern, den lebendigen Kunstwerken rund um den Trombacher Hof, den Begegnungen mit den Künstlern, insbesondere dem kurzen und spannenden Einblick in die Arbeit von Erwin Stache, dem Wiedersehen mit Kenbo und seinen wundervollen Bildern. Die erlebte Kunst wurde, in dem von Dir kreierten Gesamtkontext, wieder einmal nicht allein vom Kopf wahrgenommen: sie ist ein ganzes Stück tiefer ins Körperinnere gedrungen, dort klingt sie lange nach, versetzt in Schwingung und vitalisiert. Man muss eben selbst einmal dabei gewesen sein  Das alles hinterlässt ein Gefühl großer Freude. Ein riesengroßes Dankeschön für dieses weitere wundervolle und rundum gelungene Festival der Ho(e)rizonterweiterung ...
C. J. Bad Münster 28.08.12

... Immer wieder tauchen die Eindrücke aus dem Trombacher Hof in meinen Gedanken auf. Ich muss wiederholen, ich danke Dir dafür dass Du mir den ganzen Tag Deines Festivals gewidmet hast, dass ich die Gelegenheit bekam Euer Sitz, die Natur, Landschaft und das liebliche Bad Münster zu kennen lernen. Ich, aber auch meine drei Kollegen, wir haben Deine organisatorische Fähigkeit tief bewundert und geschätzt. Wir haben auch das Publikum bewundert, seine Konzentration und wahrscheinlich auch sein positives Verhältnis zu Neuer Musik. Der Gedanke die Gruppe junger Klangspieler einzuladen war einfach super. Ich war auch dadurch zufrieden dass meine Kollegen sehr zufrieden mit dem ganzen Projekt und begeistert von ihrer Mitwirkung waren. Aus dem Konzert in der Kapelle ist mir in meinem Gedächtnis der KLANG unseres Ansprechen - liebe Sigune -, - lieber Marek - geblieben wenn wir aus unserer Korrespondenz gelesen haben. Ich werde diesen wenn auch kurzen Aufenthalt nie vergessen.
M.K. Prag, 29.08.12.

... es war ein ganz bewegender Sonntagnachmittag jenseits von Zeitgefühl. Klanglich getragen an stimmigem Ort  - ich/wir haben die Zeit bei Euch sehr  genossen und danken für die Erfahrungen dieses  Nachmittags!.
A. P. Mainz, 30.06.12

Ich bin versucht zu sagen, dass diese Parkmusik die schönste war, bei der ich bisher dabei war (das ist natürlich Unsinn) - aber schon dieser Eindruck zeigt, wie außergewöhnlich dieses Gesamtkunstwerk auf dem Trombacher Hof wieder war. Der Workshop war diesmal deshalb besonders gut, weil wir - in einem doch dafür sehr engen Zeitrahmen! - etwas "Aufführungsreifes" zustandekriegen mussten, für Nicht-Künstler ein besonderer Kick: ich gestehe, dass ich zu Ende (der wieder mal so witzigen) Klangwanderung sogar etwas Lampenfieber hatte... Der Musicircus am Sonntag war wirklich ein krönender Abschluss.und hat mich mehr als dafür entschädigt, dass ich wegen des doch recht heftigen Massentransfers von Kindern/Instrumenten usw. am Sonntag vorher nix mitbekommen habe. Unglaublich die Idee von Cage für ein solches Synchronkunstwerk - und ebenso unglaublich Deine beeindruckende Umsetzung für den Trombacher Hof und die mitwirkenden Solisten und Gruppen! Mir ist aufgefallen, dass ich seit dem Sonntagnachmittag irgendwie anders (genauer, intensiver) höre (Musik ebenso wie Alltagsgeräusche) - ich hoffe, der Zustand hält noch ein bisschen an...
H. J. Obermoschel 31.08.12

... Dieses wunderbare Haus, dieses märchenhaft unberührte 'Tal, die blühende Aue, die Baumgemälde,  wirklich zwischen dem Alten, zwischen dem Neuen, wer da nicht Glück in der Stimmigkeit fühlte, war selbst schuld. Dem Publikum sah man die Freude an. Da schauten, nein , da hörten alle vorwärts, und die brillante Musik, in höchster Vollkommenheit musiziert, schaffte es, dass man auch darin zurück schauen konnte, das für viele ja oft Ungewohnte einer wirklich zeitgenössischen Musik, existierte nicht: das war Musik, der jenes unendlich Schwere gelang, was man sich damit wünscht. Erfüllte Zeit.
Ein großes Erlebnis war  dieser Sonntag, zwischen 11 und 17 Uhr.
Also zog ich glücklich aus dem Tal hoch und durchlebte den Nachklang zunächst für die gut zwei Stunden Fahrt in den Vogelsberg.
Alt/ Neu - der so beeindruckende Gewölbekeller und die begeisterten und auch begeisternden Musiker, die die Musik zum Leben erweckten. 
Und dann haben sie das Unmögliche geschafft, Cage hätte gejubelt. Gleichsam hohe akustische Organisatorische Akrobatik. die Vielschichtigkeit, die große Anteilnahme der Hörenden, Schauenden. Die ernsthaft Versunkenen in ihren Rollen. Eine Polyphonie, fugengleich, mit Durchführungen und Zwischenspielen, mit kapriziösen Überraschungen, mit Einwürfen und Engführungen,. Bach hätte erkannt, da muss ich keine komplex-kunstvollen Fugen mehr bauen.
M. D. Vogelsberg 01.09.12

Congratulation to you and everybody for this event, this reality, this happiness, all your friends are delicious. I lived two days with a great density.
P. M. Paris 06.09.12 ...

Votre accueil, lors du FESTIVAL PARKMUSIK 12, m'a beaucoup touchée. J'ai passé là, deux enrichissantes journées, champêtres et culturelles, hors du temps, dont je garderai le souvenir et dont je vous remercie.
J'ai particulièrement aimé, Sigune, votre travail commun, votre échange avec Marek Kopolent, précédé ( symbole?) du vol d'une très jolie chouette traversant de part en part la chapelle, ainsi que la diversité des stations musicales, le long des coteaux et des champs de fleurs ;
quant à la présentation éclatée de Musicircus de John Cage, c'était un événement très émouvant.
M. M. Paris, 09.09.12

Kompositionen von
Erwin Stache  Marek Kopelent  Martin Marek  Isang Yun  Paul Méfano  Misato Mochizuki  Tristan Murail   Toshio Hosokawa  Tore Takumitsu
Poesie von Vladimir Holan

Interpreten
Erwin Stache, Klangobjekte  Atonor, Klangexperimente  Petr Nouzovský, Violoncello 
Vilém Veverka, Oboe  Hanu? Bartón, Klavier  Petr Nouzovský, Violoncello 
Stephan Striepens, Klarinette   Sigune von Osten, Stimme / Rezitation 
Marek Kopelent, Lesung / Rezitation  e-mex Ensemble
Streichquartett, Wind Band, Chorklasse des Lina-Hilger-Gymnasiums Bad Kreuznach
Gitarrenensemble der Musikschule Mittlere Nahe 
Tanzhologiestudio Corinna Janson
Blockflötenensemble der Musikschule Klangfarbe Mainz 
AG-Neue Musik am Leininger Gymnasium Grünstadt

Kenbo, Installation, Film, Malerei

Medien (Vor)berichte
Allgemeine Zeitung Bad Kreuznach   Lifetime Stadtmagazin Bad Kreuznach
Kreuznacher Rundschau  Allgemeine Zeitung Mainz / Feuilleton und Lokal
Öffentlicher Anzeiger  NMZ (Neue Musikzeitung)
Hörfunk: SWR 2 Kultur am Mittag
DLF Musikjournal - Neuigkeiten aus dem klassischen Musikleben im In- und Ausland.

Förderung: 
Kultursommer Rheinland-Pfalz   Lotto Stiftung Rheinland-Pfalz   Stiftung Rheingrafenstein
Hanna und Dieter Paulmann   Raabdruck Lindemann GmbH & Co. KG   Sparkasse Rhein-Nahe
Volksbank Kaiserslautern-Nordwestpfalz

Sigune von Osten, Idee / Konzept / Künstlerische Gesamtgestaltung Produktion  ART POINT Trombacher Hof
Veranstalter FREUNDE DES TROMBACHER HOFES e.V.